Denis

Frieder und Denis kennen sich seit 2011. Damals ist Frieder  in León, Nicaragua gewesen. Denis ist dort aufgewachsen, Frieder nahm an einem Jugendaustausch teil. Heute wohnt Denis zusammen mit seiner deutschen Frau in Altona und arbeitet als Maschinenbauer. Sie treffen sich an einem stickigen Samstagabend im Sommer zum Kochen in Frieders Wohnung, Spaghetti mit Spinat-Sahne-Sauße. Denis erzählt Frieder aus seinem Leben und wie es dazu kam, dass er nun, mit 30, hier in Deutschland lebt. Durch das offene Fenster hört man das Knattern der Motorräder auf der Holstenstraße. Harley-Tage in Hamburg.

„Als ich 10 war, verlor meine Mutter ihre Jobs. Sie hatte vorher als Lehrerin und Buchhalterin gearbeitet und gut verdient. Sie hat sogar ein eigenes Haus gebaut, in dem wir lebten. Mein Vater ist schon während der Revolution gestorben. Er war Soldat und hat gegen das Regime gekämpft.

In dieser Zeit war ich voller Gedanken: Ich wollte der Familie helfen. Ich ging nicht mehr zum Baseballspielen mit meinen Freunden. Zum Glück habe ich manchmal so etwas wie eine Stimme in mir, die mir sagt, was ich tun sollte. So wie ein Gefühl, eine Intuition, der ich folge. Über einen Bekannten kam ich an einen Job in einer Churreria: wir schleppten vor der Schule von vier bis sechs Holz für den Ofen. Ich war stolz, etwas Geld zu verdienen. Später habe ich an einer staatlichen Schule Elektrotechnik gelernt. Danach hatte ich eine Firma in León. Wir waren zu dritt, es lief gut. Die Kunden merkten, dass uns die Arbeit Spaß macht. Man muss im Leben Dinge riskieren, ohne sich dabei blindlings in sein Schicksal hineinzuwerfen. Das hat mir geholfen. Nach Deutschland bin ich wegen einer Beziehung gekommen, ich wollte eigentlich nicht aus Nicaragua weg. Dort lief alles sehr gut.

 

Ich habe jetzt hier einen Job, ich lerne viel. Es war jedoch nicht einfach, anzukommen. Die Bürokratie war am Anfang eine echte Hürde. Weil ich noch nicht so gut Deutsch konnte, habe ich vieles nicht verstanden. Außerdem ist es schwierig, hier Freunde zu finden. Einmal sprach ich in meinem Betrieb etwas über Deutschland an, da waren meine Kollegen irritiert. Ein anderes Mal habe ich jemanden an einer Bushaltestelle nach dem Weg gefragt, die Person drehte sich weg. Solche Erfahrungen habe ich leider öfter gemacht. Ich möchte hier eine Familie gründen, für die ich sorgen kann. Das ist mein Traum.“

Denis geht seinen Weg, geduldig und ruhig. Als Frieder ihm diesen Text schickte, schrieb er: „Was für ein schöner Text. Als ob jemand mir eine Geschichte erzählt, in der ich selbst der Protagonist bin. Und so ist es ja auch.“

Oben