Du kannst uns zum Verlierer machen

Du kannst uns zum Verlierer machen oder uns helfen, unser altes Leben weiter zu führen. Deshalb brauchen wir Hoffnung – denn ohne Hoffnung, können wir nicht wieder aufstehen.

Mir hat ein einfacher Moment Hoffnung gegeben:

Von meiner Deutschlehrerin wurde ich eines Nachmittags zu einem Begegnungstreffen in einer Hamburger Buchhandlung eingeladen. Ich wollte dort von meinen Erfahrungen als Flüchtling in Deutschland sprechen.

Die Buchhandlung ist ein kleiner Laden im Norden von Hamburg. Sie hatten Sitzplätze vorbereitet und es gab arabisches Essen. Ziel des Treffens war es, sich auszutauschen, Musik zu machen – Unterhaltung zwischen Flüchtlingen und deutscher Gesellschaft in einer anderen Art und Weise. Weil so gutes Wetter war, kamen leider nur wenige Teilnehmer. Am Ende saßen knapp zwanzig Menschen in dem Raum.

Das Treffen wurde von Stephanie organisiert. Sie macht auch Lesungen für Kinder in den Camps. Das Besondere an ihr ist: sie zeigt dir, dass sie sich für dich interessiert, ohne dir das Gefühl zu geben, dass du ein Problem hast. Diese Menschen lassen dich an einem Treffen teilnehmen, als wäre es in deinem Land und du kein Fremder.
Außer mir haben noch ein paar andere Menschen geredet. Sie alle haben von ganz unterschiedlichen Dingen gesprochen oder gesungen – aber alle waren inspirierend: Einer der Teilnehmer, Ayub, war 18 Jahre alt. Er kommt aus Afghanistan, ein anderer ist Syrer und Kurde und dann gab es noch einen, der Urd spielt und seit 17 Jahren in Deutschland lebt. Außerdem kamen noch zwei deutschen Autoren.
Ich habe drüber gesprochen:

What makes people leave their home?
What makes people leave their family?
What makes people leave their job?
What makes people leave everything they have?
What makes people take a boat in the middle of the night?

It is hope. Hope for a better life (or for life at all), hope for a future, hope for peace and safety. Hope is what makes people leave their home. Hope is everything they have. Hope is what keeps them going. They have nothing else left but hope
Ich habe viel von dieser Begegnung gelernt: Viele Menschen interessieren sich für uns, viele Menschen wollen wirklich etwas bewegen. Ich habe an diesem Abend neue Freunde gefunden. Diese Freunde helfen mir, weiter zu machen.
Bei dem Treffen haben wir außerdem über das Warten gesprochen. Ich habe an dem Abend gelernt, dass es bei all den Problemen nicht um uns geht – das System ist Schuld. Ich weiß nun: das Beste ist, das System zu ignorieren und mein Leben weiter zu führen. So geht es hier halt. Die erste Übung, die Flüchtlinge lernen müssten ist: warten. Auf die Schule warten, aufs Interview warten, auf die Unterbringung warten. Das ist das System, es ist nichts Persönliches.

Manche Leute denken, bei Hilfe geht es um Geld. Nein, bei Hilfe geht es darum, Hoffnung zu schaffen.

 

 

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