Sabah

Sabah ist 36 Jahre alt und kommt aus Aleppo in Syrien. Sie ist gelernte Apothekerin. Frieder und sie treffen sich an einem heißen Montagnachmittag in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Eißendorf. Sie wohnt dort mit ihrer Nichte seit ungefähr einem Monat. Eine irakische Freundin kocht kurdisches Essen, Dolma. Reis mit Gemüse, in Paprikas und Weinblätter eingepackt. Vom Küchenfenster aus schaut man auf eine kleine, verschlafene Einfamilienhaus-Straße, die in der Nachmittagshitze vor sich hin döst. Im Wohnzimmer hängen Arabesken, goldene Schrift auf schwarzem Grund. Die Kabaa ist zu sehen und das Mausoleum Mohammeds. Sabah erzählt:

„Ich habe ja schon sehr lange eine Wohnung hier gesucht. Eigentlich wollte ich gerne Ramadan in meiner eigenen Wohnung feiern. Im Camp war es immer so laut und stressig. Nachts gab es Rufe auf den Fluren, frühmorgens Security-Kontrollen. Jetzt schlafe ich hier viel und sehr gut. Es ist schön ruhig hier. Meine deutsche Vermieterin hat mir sehr viel geholfen. Viele der Möbel sind Spenden ihrer Freunde. Ich war auch schon zum Tee bei ihr.

 

Meine Nichte besucht jetzt eine internationale Vorbereitungsklasse. Ich habe ein bisschen Angst, dass sie Arabisch verlernt, wenn sie in ein zwei Jahren gut deutsch spricht. Schon jetzt fallen ihr manchmal Worte nicht ein. Aber wenn ihre Eltern kommen, spricht sie bestimmt wieder gutes Arabisch.
Ich würde in einem Jahr gerne eine Arbeit haben. In einer Apotheke, oder – noch lieber – in einer pharmazeutischen Fabrik. Dann muss ich nicht den ganzen Tag mit Kunden sprechen. Stattdessen kann ich mit den Medikamenten reden. Meine Kinder kann ich dann mal Paracetamol und Ibuprofen nennen.“

 

 

Sie lacht. Draußen zwitschern Vögel, ihre Nichte kommt in die Küche. Das Essen steht dampfend auf dem Tisch. Sabah macht mit ihrem Handy ein Foto vom Essen und schickt es per Whatsapp an Bekannte:

„Das mache ich beinahe jeden Tag. Meine Freunde tun das auch, weil wir uns über das Essen freuen. Ich habe drei Whatsapp-Gruppen. Eine mit Freunden, die jetzt in Schweden und Deutschland sind. Eine mit Freundinnen von früher und eine mit meiner Familie. Ich poste die Fotos nie in der Familien-Gruppe. Sie sind größtenteils noch in Syrien und haben dort kaum etwas zu essen. Dann ist es traurig und nicht gut ihnen einen reich gedeckten Tisch zu zeigen.“

 

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