Zouhair

 

Als Paul an einem Mittwochabend von der Arbeit nach Hause kommt, sitzt der 40-Jährige Zouhair im Wohnzimmer und referiert einem Mitbewohner über arabische Verben.

Eine Woche später verabreden sich die beiden am Altonaer Bahnhof. Am Alma-Wartenbergplatz bestellen sie sich zwei Biere. Um sie herum füllt ein junges Publikum die Holztische, Zigarettenrauch hängt in der Luft. Sie unterhalten sich über die Sternschanze und Arabisch. Dann zeigt Zouhair  auf seinem Smartphone Fotos von Plakaten, die er in S-Bahn Stationen entdeckt.

„Früher habe ich in der Werbung gearbeitet. Mein Job war es, Kampagnen an Firmen zu verkaufen. Ich habe unsere Mitarbeiter darin geschult, Geschäfte abzuschließen. Wie schüttelt man richtig die Hand, welche Fragen stellt man, welche Körperhaltung nimmt man ein – all das kann man lernen.

 

Wir waren viel in Saudi-Arabien, dort ist die Werbe-Kultur ganz anders als in Deutschland. Eigentlich ist Werbung bereits in jeder Stadt, an jedem Ort verschieden: Dahinter stehen Tradition, Kultur, Sprache. In Saudi-Arabien zum Beispiel wäre eine Menge Werbung aus Deutschland nicht erlaubt gewesen. Sex geht natürlich gar nicht, aber auch Gesichter von Menschen werden nicht abgebildet.
Ich finde, wir sollten Werbung nicht kontrollieren. Es geht schließlich nicht um Fakten oder Informationen, sondern um Gefühle. Es braucht die Möglichkeit, über Schranken hinaus zu denken. Gute Werbung spricht ein Thema nicht direkt an, sondern vermittelt nur die Idee von einem Produkt.
Warum gerade Plakat-Werbung immer stärkere Bilder benutzt? Heute ist es viel schwieriger die Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen, sie gucken ständig auf ihre Smartphones. Man muss die Leute irgendwie erreichen können.

 

Wenn ich könnte, würde ich gerne Kampagnen für Mercedes machen. Ich bin mit Mercedes-Werbung aufgewachsen. Mercedes, BMW, Porsche – das stand immer für Deutschland. Ich würde etwas machen, das zeigt, wie besonders dieses Auto ist. Ein Spruch könnte sein: Volkswagen,Toyota? Mercedes fährt in einer anderen Galaxie.
Ich erinnere mich an eine Reklame in Saudi-Arabien. Wir haben eine Eismaschine beworben. Neben der Maschine haben wir ein Nashorn abgebildet, das gefroren war. Ich mag Bilder, die einem nicht sofort in den Sinn kommen.

Altona, sagt Zouhair, sei für ihn etwas Besonderes. Es war der erste Stadtteil, den er auf eigene Faust entdeckt hat. In Syrien war er Geschäftsmann. Wenn er erst einmal Deutsch gelernt hat, will er auch hier wieder sein eigenes Geschäft aufziehen. „I think“, sagt er und schaut mich an, „I think, I´m a Hamburger now. Can you say this? Ich bin ein Hamburger.“

Zouhair möchte kein Gegenportrait schreiben, statt dessen erzählt er von einer besonderen Begegnung.

Aufgeschrieben von Paul

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